Die Reitsportmesse Gießen war für die IG blinde Pferde ein ganz besonderes Wochenende. Mit unserem Messestand und mehreren täglichen Vorführungen hatten wir die Möglichkeit, zahlreiche Besucher über Blindheit beim Pferd aufzuklären und zu zeigen, was trotz einer Erblindung alles möglich ist.
An unserem Stand standen wir während der gesamten Messe als Ansprechpartner für betroffene Pferdebesitzer, Interessierte und Fachleute zur Verfügung. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen, Erfahrungen auszutauschen oder sich über Augenerkrankungen wie die equine rezidivierende Uveitis (ERU) zu informieren. Die vielen Gespräche haben uns einmal mehr gezeigt, wie groß der Bedarf an Information und Vernetzung ist.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf unseren Vorführungen für die IG blinde Pferde. Dort präsentierten Kerstin mit ihrem augenlosen Pony Pino sowie Caro mit ihrer augenlosen Araberstute Chaya die unterschiedlichen Facetten des Lebens mit blinden Pferden. Für beide Pferde war die Reitsportmesse Gießen der erste Messeauftritt überhaupt – mit all den Herausforderungen, die eine solche Veranstaltung mit sich bringt: Menschenmengen, Lautsprecherdurchsagen, Musik, fremde Gerüche und eine völlig neue Umgebung.
Rückblickend hätten die beiden ihre Premiere kaum souveräner meistern können.
Kerstin mit Pino und Caro mit Chaya bei ihrem ersten Messeauftritt.
Im Ring zeigte Pino eindrucksvoll, wie viel Vertrauen zwischen Mensch und Pferd entstehen kann. Er zog das große Einhorn sogar im Galopp durch die Arena, galoppierte mit dem Schwungtuch, nahm entspannt in seinem Sitzsack Platz und legte sich auf Kommando vor Publikum ab. Viele Besucher konnten kaum glauben, dass dieses Pony blind ist. Gerade diese Momente machten deutlich, wie sehr Blindheit häufig unterschätzt wird und wie viel mit Geduld, Training und Vertrauen möglich ist.
Schwungtuch und Sitzsack: Pino im Element.
Chaya zeigte gemeinsam mit Caro eine ganz andere Seite blinder Pferde. Die temperamentvolle Araberstute demonstrierte Elemente aus der Working Equitation und machte keinen Hehl daraus, wie gerne sie sich bewegt. Mit viel Energie und Freude absolvierte sie ihre Auftritte und zeigte eindrucksvoll, dass auch ein leistungsbereites Pferd nach einer Erblindung aktiv gearbeitet und gefördert werden kann.
Neben den Auftritten für die IG blinde Pferde waren Pino und Kerstin zusätzlich Teil verschiedener Showprogramme. Für „kleine Tante" und Equimero standen weitere Vorführungen auf dem Programm, sodass Pino mit rund fünf Auftritten pro Tag einen durchaus straffen Zeitplan hatte. Umso beeindruckender war es, wie gelassen und souverän er die Herausforderungen meisterte.
Besonders bemerkenswert waren die Pyrotechnik-Vorführungen des Showteams von „kleine Tante". Während Rauch, Effekte und ungewöhnliche Reize viele Pferde vor Herausforderungen stellen, ließ sich Pino davon nicht aus der Ruhe bringen. Mit seiner ruhigen und vertrauensvollen Art bewies er einmal mehr, dass fehlendes Sehvermögen nicht automatisch Unsicherheit bedeutet.
Für viele Besucher war es eine Überraschung zu erfahren, dass die Pferde, die sie gerade im Ring erlebt hatten, blind sind. Genau deshalb sind Veranstaltungen wie die Reitsportmesse Gießen für uns so wertvoll. Sie ermöglichen es, Vorurteile abzubauen, Wissen zu vermitteln und Menschen zu zeigen, dass blinde Pferde weit mehr können, als ihnen oft zugetraut wird.
Die vielen positiven Rückmeldungen, interessanten Gespräche und bewegenden Begegnungen werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Ein herzliches Dankeschön gilt allen Besuchern, Helfern, Unterstützern sowie den Teams von „kleine Tante" und Equimero, die dieses Wochenende möglich gemacht haben.
Die Reitsportmesse Gießen hat einmal mehr gezeigt, dass die größten Grenzen häufig nicht in den Augen liegen, sondern in den Vorstellungen der Menschen. Unsere blinden Pferde haben an diesem Wochenende eindrucksvoll bewiesen, wie viel Lebensfreude, Vertrauen und Leistungsbereitschaft in ihnen steckt.
— IG blinde Pferde e. V.